Für was ist eigentlich der Hellbezugswert?

Geschrieben von Jürgen Jörges am 25. Februar 2019

Wenn es bei intensiv gestrichenen Fassaden zu Rissbildungen und Schäden kommt, wird im Anschluss häufig über den Hellbezugswert gesprochen. Grund genug, sich diesem Thema einmal anzunehmen.  Der Hellbezugswert ist eine Angabe für die Helligkeit von Oberflächen bzw. von Farbtönen.  Ein Wert von 100 entspricht einer absolut weißen Oberfläche. Dem gegenüber steht für eine absolut schwarze Oberfläche der Wert Null. Je kleiner die Zahl, desto dunkler ist der Farbton.  

Wenn wir es etwas genauer betrachten wollen, dann bezieht sich der Hellbezugswert auf das reflektierende Licht, das auf von einer Oberfläche zurückgeworfen wird. Je mehr Licht von der Oberfläche reflektiert wird, desto größer ist der Hellbezugswert. Da eine schwarze Oberfläche das auftreffende Licht komplett absorbiert, wird kein Licht zurückgeworfen und der Wert ist daher Null.
Das Bindemittel, sowie der Glanzgrad sind für den Hellbezugswert nicht von Bedeutung.

Bei Wärmedämmverbundsystemen sind hellere Farben einfach besser.

Je dunkler der Farbton einer Fassade gewählt wird, desto größer ist die Beanspruchung der Fassadenoberfläche aufgrund von Temperaturschwankungen.   Diese hygrothermischen Einflüsse spielen insbesondere bei Wärmedämmverbundsystemen eine Rolle.  Die Oberfläche der Dämmschicht unterliegt generell schon stärkeren Temperaturschwankungen, die durch einen dunklen Farbton noch weiter belastet werden. Die Empfehlung der Hersteller von WDV-Systemen ist, einen Hellbezugswert von  größer >20 zu verwenden.  Durch diese Maßnahme soll das Auftreten von Spannungsrissen vermieden werden.

Vorsicht bei Verschmutzungen
Nicht nur die Farbe bestimmt den Hellbezugswert. Durch Staub oder mikrobiellen Befall  wie Algen und Pilze auf der Fassadenoberfläche kann der Hellbezugswert um bis zu 5 Punkte beeinflusst werden. Bei grenzwertigen Farbtönen ist daher darauf zu achten, dass mit zunehmendem Alter die Fassade nicht in einen kritischen Bereich abrutscht. 

Ein Beispiel aus der Praxis

Eine Fassade im Winter zeigt Risse in den farbig abgesetzten Bereichen. Das Haus ist mit einer Wärmedämmung beschichtet und hat einen weißen mineralischen Scheibenputz. Die farbig abgesetzten Bereiche sind in einem Anthrazit-Farbton gestrichen. Der Hellbezugswert der Fassade liegt also bei ca. 98 während die abgesetzten Bereiche lediglich einen Wert von 8 aufzeigen. Die Außentemperatur beträgt zum Zeitpunkt der Besichtigung 4°C und es war sonnig.
Die Oberflächentemperatur der weißen Fassadenfläche betrug ca.  4°C – 6,5°C. In den Bereichen der dunkel gestrichenen Fassadenfläche habe ich Temperaturen bis 57°C gemessen. Ein Temperaturunterschied von über 50°C kann zu manchen Problemen an einer Fassade führen, unter anderem auch zu Rissbildungen.

Natürlich muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass die Hersteller von WDV-Systemen sich bemühen, mit zusätzlichen Maßnahmen wie z.B. organischen Armierungsmassen und TSR-Farben (das sind hoch lichtreflektierende Farben) die Gestaltung mit dunklen Farbtönen zu ermöglichen. Ob diese Maßnahmen das Risiko der Temperaturschwankungen komplett unterbindet, bleibt fraglich.

  • Sieht doch eigentlich sehr schön aus
  • Geradliniger Verlauf der Rissbildung
  • Weiße Fläche - Oberflächentemperatur von 6,7°C
  • Dunkel abgesetzte Bereiche - Oberflächentemperatur von 57°C

Mein Tipp:
Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte bei der Wahl des Farbtons für sein Traumhaus nicht nur nach der Optik  entscheiden. 

 

Lesen Sie auch:     Optische Beeinträchtigungen beim Wärmedämmverbundsystem

               oder      Es grünt so grün, ....
                          ....nicht wenn Spaniens Blüten blühen, sondern wenn die Algen auf den Fassaden sprießen

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