Was ist die richtige Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen?

Geschrieben von Jürgen Jörges 18.01.2019

Warum kann 50 % rel. Luftfeuchtigkeit in bestimmten Fällen schlimmer sein als 60 %?

Beim Thema Schimmel wird immer wieder vom richtigen Lüftungs- und Heizverhalten gesprochen. Das Netz ist voll mit gut gemeinten Ratschlägen und auch in den sozialen Netzwerken gibt es einschlägige Gruppen zum Thema Schimmel. Was ich dort immer wieder lese, führt bei mir zu einem Kopfschütteln und dazu, dass mir noch mehr graue Haare wachsen.

  • Ein sicheres Anzeichen für eine zu hohe Feuchtelast sind nasse Fensterscheiben
  • Zu hohe Feuchtigkeit in der Raumluft führt nicht selten zu Schimmelbefall hinter den Möbeln

Gerade in Bezug auf die Luftfeuchtigkeit lese ich immer wieder sehr stark schwankende Ratschläge. Sie reichen von 40 % rel. Luftfeuchtigkeit bis hin zu „60% - 70% ist für Wohnräume völlig normal“.
Jetzt mal ganz ehrlich, jeder, der ein bisschen Ahnung von der Materie hat, kann mit solchen Aussagen nichts, aber auch wirklich gar nichts anfangen. 
Um einen Sachverhalt zu beurteilen, müssen mehrere Faktoren aufgenommen werden und in Bezug zueinander gesetzt werden. Ein kleines Beispiel, warum heißt es eigentlich relative (rel.) Luftfeuchtigkeit?
Man könnte ja auch nur von Luftfeuchtigkeit sprechen. Wir beziehen uns jedoch immer auf die rel. Luftfeuchtigkeit. Der Grund hierfür liegt darin, dass warme Luft viel Wasser in sich aufnehmen kann, während kalte Luft nur sehr wenig Wasser in sich speichern kann.
Wenn wir also eine Aussage über die Luftfeuchtigkeit treffen wollen, geht das nur, wenn wir gleichzeitig auch die Temperatur betrachten. Demnach ist jede Aussage zur Luftfeuchtigkeit  ohne den Bezug zur Temperatur nutzlos. 

  • Wer permanent nicht auf die richtige Luftfeuchtigkeit achtet, muss davon ausgehen, dass die Schimmelpilze ihren Platz finden.
  • Das herablaufende Kondensat auf der Fensterscheibe richtet dann auch noch einen erheblichen Schaden am Fußboden an.

Hier noch ein Vergleich:

Bei einer Temperatur von 0°C bei 100% rel. Luftfeuchtigkeit kann die Luft 4,8g Wasser pro m³ in sich aufnehmen und binden.
Bei einer Raumtemperatur von 19° C und 60% rel. Luftfeuchtigkeit ist in der Luft eine Menge 9,7 g pro m³ Wasser gebunden.  Diese Werte sind als die absolute Feuchte zu bezeichnen. Es ist das, was tatsächlich an Wasserdampf oder Feuchte in einem m³ bei entsprechender Temperatur enthalten ist.
Betrachten wir uns jetzt ein Beispiel mit 23°C Raumtemperatur und nur 50% rel. Luftfeuchtigkeit, stellen wir fest, dass die absolute Feuchte mit 12,34g/m³ deutlich höher liegt als in dem Beispiel vorher. Trotz einer geringeren Prozentzahl der rel. Luftfeuchtigkeit ist ca. 25% mehr Wasser in der Raumluft enthalten. 25%  ist eine ganze Menge!

Je mehr Wasser unsere Luft also beinhaltet, desto schneller kommt es zur Schimmelbildung bei kühleren Bauteiloberflächen oder hinter Möbeln, die vor der Außenwand stehen.
Jetzt haben wir noch einen weiteren Wert, der eine entscheidende Rolle spielt. Die Temperatur der Bauteiloberfläche. Sie ist ausschlaggebend dafür, dass sich die Raumluft in unmittelbarer Umgebung der Bauteiloberfläche abkühlt und somit die Eigenschaft für das Speichern von Wasser reduziert wird. Es entsteht Kondensat. Dabei muss es nicht zwangsläufig nass werden. Ab einer Feuchtigkeit von 80% an der Oberfläche wachsen die kleinen Schimmelsporen und rotten sich langsam aber sicher zu einem Heer des Grauens zusammen und es gibt auch einige Schimmelarten, die bereits bei 70-75% Feuchte an der Oberfläche mit ihrem Wachstum beginnen.

Wer jetzt noch eine Aussage über den Zustand des Gebäudes treffen möchte, braucht noch die Klimadaten im Außenbereich. Erst jetzt, wenn alle Daten vorhanden sind, kann mit einer sauberen Analyse begonnen werden.

Die Frage nach der richtigen Luftfeuchtigkeit  richtet sich daher auch immer nach dem Wunsch der Raumtemperatur oder dem Zustand des Gebäudes. Pauschalaussagen zur rel. Luftfeuchtigkeit -  „zu hoch, zu niedrig oder im Rahmen“ - sind demnach nicht verwertbar und führen oft zu unangemessenen Handlungen.

Mein Tipp:
Wenn sie Fragen zur Luftfeuchtigkeit in Ihren Räumen haben und ob es dabei zu Schwierigkeiten wie Schimmelbildung kommen kann, sprechen Sie mich an. Ich helfe Ihnen gerne weiter. 

 

Lesen Sie auch: Wie gefährlich sind Schimmelpilze und was kann ich dagegen tun

  1. Telefon: 06103 – 69611

Schimmelprobleme?

Sie haben Probleme mit Schimmel oder anderen Bauschäden?

Das kann ich für Sie tun:

  • Feststellung und Dokumentation des Ist-Zustandes.
  • Analyse der Ursachen mit möglichen Lösungen zu den Feuchte- und
    Schimmelproblemen.
  • Langzeitmessung mit Datenlogger. Im Zeitraum der Messung werden
    Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit regelmäßig gemessen und
    abgespeichert.
  • Wärmebrückenberechnung
  • Gebäudethermografie
  • Beratung und Aufklärung der bauphysikalischen Zusammenhänge
    und Ursachen.

Mehr Informationen zu meinen Leistungen finden Sie hier...

Jetzt Kontakt aufnehmen

 

Anfahrtsweg planen
Bitte Ort eingeben, von dem aus die Route zu uns berechnet werden soll:

Diese Webseite verwendet Cookies. Weitere Informationen erhalten Sie in unsererDatenschutzerklärungOK